Ich bin

Ich bin heute Morgen aufgestanden und habe in den Spiegel geschaut. Ich bin erschrocken. Ich bin faltig, gealtert und ich bin müde. Ich bin unter Wasser. Ich bin kalt, 2013-09-11 14.38.44mir ist kalt. Ich bin wieder aufgetaucht und lache. Ich bin heute wieder aufgestanden. Ich bin stolz.

Ich bin allein. Ich bin nicht einsam. Ich bin in Gesellschaft mit meinen Gefühlen und Taten. Ich bin froh das Leben zu spüren. Ich bin geblendet von der Sonne, die durch meine Jalousien blinzelt. Ich bin blind und setze meine Sonnenbrille auf. Ich bin heute wieder aufgestanden. Ich bin stolz.

Ich bin hungrig. Ich bin am Tisch und esse. Ich bin satt und durstig. Ich bin nicht mehr durstig und satt. Ich bin spät dran und schaue auf die Uhr. Ich bin verwirrt und ungeduldig. Ich bin hektisch und reiße die Teller vom Tisch. Ich bin sauer und spät dran. Ich bin heute wieder aufgestanden. Ich bin stolz.

Ich bin im Bus. Ich bin dick und mein Nachbar auch. Ich bin genervt und zu spät. Ich bin vorne und der Busfahrer auch. Ich bin gleich dran – noch zwei Stationen. Ich bin erster an der Tür und drängle mich durch die wartende Menge. Ich bin rücksichtslos aber charmant. Ich bin bald da und mein Chef muss nicht mehr warten. Ich bin spät dran. Ich bin heute wieder aufgestanden. Ich bin stolz.

Ich bin überfordert – überarbeitet. Ich bin in Verzug. Ich bin launisch und meine Kollegen sind es auch. Ich bin hilfsbereit und überfordert. Ich bin dann mal weg. Ich bin eine Zigarette rauchen. Ich bin wieder da. Ich bin Kollege und fordere Hilfe. Ich bin geschafft. Ich bin nach Hause. Ich bin heute wieder aufgestanden. Ich bin stolz.

Ich bin spazieren. Ich bin einsam und nicht allein. Ich bin gedankenlos und schnell. Ich bin umsonst schnell. Ich bin nicht umsonst. Ich bin teuer. Ich bin es wert allein zu sein, nicht einsam. Ich bin geduldig und warte auf einen Käufer. Ich bin kein Sonderangebot. Ich bin es wert. Ich bin heute wieder aufgestanden. Ich bin stolz.

Ich bin gesättigt und räume den Tisch. Ich bin gewillt zu lesen. Ich bin verträumt vom Buch. Ich bin wie ein offenes Buch und Du kannst in mir lesen – auslesen. Ich bin Dein Rätsel ohne die offensicht-liche Lösung. Ich bin zu, geklappt. Ich bin erleichtert und befriedigt. Ich bin heute wieder aufge-standen. Ich bin stolz.

Ich bin müde – von heute, nicht dem Leben. Ich bin vor dem Spiegel. Ich bin immer noch faltig und alt. Ich bin nun einen Tag älter. Ich bin weiser und gelassener. Ich bin gespannt auf morgen und den Bus. Ich bin im Traumland und denke an Dich. Ich bin allein, nicht einsam. Ich bin eingeschlafen – im Traum. Ich bin morgen wieder aufgestanden und bin stolz.

Ich bin …

Das Vorgespräch (TK1)

Das VorgesprächGespäch

Ich wollte also mein Glück in einer Tagesklinik (TK) versuchen. Hierfür musste ich mich erst einmal vorstellen. Es war mir nicht ganz klar, ob ich einen Lebenslauf, Passbild und adrette Kleidung benötigen würde. Ich entschied mich dagegen, da ich weder das eine noch das andere besaß. Eine gute Wahl, wie sich später herausstellen sollte.

Ich wurde für halb 12 in die Höhle des Löwen bestellt. Überaus pünktlich erschien ich bereits um 11:29 und starrte etwas ratlos auf die Tür vor Zimmer 312. Sie war verschlossen und dieser Umstand wurde durch ein Schild an selbiger unterstrichen: „Zur Zeit ist dieses Zimmer nicht besetzt. In dringenden Fällen finden Sie uns in Zimmer 320“. Meine Gehirnzellen fingen an zu arbeiten, zu rotieren bzw. zu verkrampfen. Dies strahlte unweigerlich auf mein Gesicht aus und mit selten dummen Blick murmelte ich „bin ich dringend?“ vor mich hin.

Unsicheren Schrittes ging ich in Richtung Zimmer 320. Dachte ich. Dachte ich: warum gibt es keine Wegweiser. Dachte und drehte mich um. Zimmer 320 befand sich also im Osten (sollte jetzt jemand an die ehemalige DDR denken, so sollte er ebenfalls das Gespräch suchen). Abermals stand ich vor einem verschlossenen Raum. Ein niedlich „gestyltes“ Schild sollte Vertrauen und Geborgenheit signalisieren, der Text allerdings das Gegenteil: „Nur in dringenden Fällen stören und in angemessener Lautstärke klopfen“. Ööhemm – wie bitte klopft man angemessen laut? Da ich aber von drinnen ein fröhliches Gelächter vernahm, entschied ich mich kurzerhand für die energische Klopfvariante.

Die Tür öffnete sich einen Spalt und das Gelächter verstummte. Oder war es umgekehrt? Eine zierliche und durchaus freundliche scheinende Dame schaute mich fragend an und ich schaute freundlich, weniger zierlich, zurück. „Ich habe einen Termin um 11:30 und vorne war verschlossen“ sagte ich mit etwas unsicherer Stimme. „Sie sind spät dran“ konterte die nunmehr weniger freundlich scheinende Dame und verschloss abermals die Tür. Zierlich war sie immer noch. Ein weiteres Mal hörte ich heftiges Gelächter nach außen schallen und ich fragte mich das erste Mal, ob ich nicht etwa die Patientenversammlung gestört hatte.

Ich lehnte mich an die gegenüberliegende Wand und ließ eine Ansammlung von hektisch anmutenden Menschen an mir vorbeiziehen. Diese Personen waren sportlich gekleidet. Sofort kam mir die Idee, ich würde mich im Wintertrainingslager der deutschen Equipe befinden. Meine Idee wurde dadurch gefestigt, dass jeder  von ihnen zwei gleichlange Stöcke in den Händen trug. Fehlten nur noch die Skier und ein wichtig aussehender Protagonist, der den Trainer mimen sollte. Ich fühlte mich klein.

Plötzlich ging die Tür auf und ein leger gekleideter Mann kam auf mich zu. Reichte mir die Hand, sagte aber nichts. Ich deutete dies mal als Begrüßung und streckte meine Hand auch ihm entgegen. Während er anschließend schweren Schrittes in Richtung Büro ging, blieb ich erstmal stehen. Hatte ich doch keinerlei verbalen Kommandos von ihm erhalten. Ein lasziver Wink seinerseits ließ mich dann aber doch erahnen, dass ich ihm folgen sollte. Ich tat es.

Im seinem Zimmer traf ich, neben dem üblichen Equipment eines Arbeitnehmers, auf zwei spärlich gepolsterte Stühle, die sich gegenüber standen. Sie luden nicht wirklich zum verweilen ein. Immerhin stand eine Box Tempos in Greifnähe, was die Atmosphäre allerdings nicht entspannte. Tränen. Bääh.  Ich setzte mich, er ebenfalls. Ich guckte ihn an, er mich. Ich schwieg, er auch. „Toll“ murmelte ich. Gedanklich richtete ich mich auf 45 Schweigeminuten ein. So machte ich es mir etwas bequemer, streckte die Beine aus, nahm meine Hände aus den Hosentaschen und verschränkte die Arme. Gefühlte 60 Minuten vergingen, bin nach zwei Minuten das fortgeschrittene Begrüßungsritual begann: „Schönen guten Tag“ begann mein vermeintlich neuer Therapeut. „Mein Name ist Baumann, Peter Baumann und sie sind Herr Kremer, nehme ich an“. Natürlich, dachte ich mir. Sonst würde ich nicht hier sitzen. Ich nickte und antwortete leise mit „Ja“.

An dieser Stelle breche ich mal ab. Was folgte war ein sehr gutes und tiefsinniges Gespräch, was mich vom Fortsetzen meiner Ambitionen überzeugte. Inhalte möchte ich hier nicht veröffentlichen. Schließlich soll diese Geschichte rein der Unterhaltung dienen. Danke!

<Fortsetzung folgt>

Ich bin dann mal da

PrologBild

Guten Tag! Ich bin wieder da und froh. Nicht froh generell, sondern froh wieder zu schreiben. Es sind ja doch einige Monate vergangen und zwischenzeitlich hat sich viel verändert. Kleiner Tipp vorweg: meine Single-Saga müsste ich nun auf Basis meiner vielfältigen Erinnerungen verfassen. Toll!

Apropos Erinnerungen: ganze 18 Male habe ich mich einer sogenannten Elektrokrampftherapie (EKT) unterzogen. Weshalb so häufig? Ich liebe den Duft und Flair der Anästhesie, die herrlich sanften Träume und das Wissen, dass ich noch rückwärts von 20 runterzählen kann. Aber ehrlich gesagt war die Prozedur eine wahre Tortur. Muskelkater, Benommenheit und Kopfschmerzen waren nur einige der Zustände, die ich – unmittelbar nach dem Aufwachen aus meiner Kurznarkose – erdulden musste.  Nun muss ich aber auch gestehen, dass diese Therapie geholfen hat. Zunächst. Denn ohne weiteren Plan würde die Wirkung zusehends schnell verpuffen. Also musste gehandelt werden. Ein Plan. Wäre toll.

Da mein Gehirn unsanft gedopt wurde war ich nunmehr in der Lage, so schnell und zuverlässig zu denken wie A.E. – grandios. Der Plan war, mich in die Hände sprachbegabter Therapeuten zu begeben. Kurze Zeit später (vier Monate) traf ich dann auf gesamte Plantruppe: Kunst-, Theater-, Musik-, Ergo- und Tanztherapeuten. Natürlich durfte der besonders sprachbegabte „ich bin für dich jederzeit persönlich da“ Einzeltherapeut nicht fehlen. Kurzum – ich plante einen kürzen Aufenthalt in einer Tagesklinik (TK). Wobei kürzer eher relativ zu betrachten ist. Dazu aber später mehr.

Meine damaligen Freunde waren ein recht lustiges Völkchen, denn sie kommentierten meinen Entschluss mit allerlei humorigen Aussagen. „Oh, ein Kurzurlaub.“ – „Hätte gern auch mal eine Pause.“ – „Hilft denn das wirklich?“ – „Alleine geht wohl gar nichts mehr“. Nun ratet mal, mit wem ich nicht mehr befreundet bin. Ich finde ich es zutiefst traurig, wie schnell man in der Gunst sinken kann, wenn man nicht mehr den Normen der Gesellschaft entspricht. Wobei ich fairer Weise gestehen muss, dass es auch Ausnahmen unter ihnen gab und ich auch heute noch auf sie zählen kann. Zudem habe ich neue Freunde hinzugewonnen und bin über jeden meiner Schritte froh.

Hier ist natürlich noch nicht das Ende der Geschichte erreicht und ich werde zeitnah weiter berichten. Über eine Phase in meinem Leben, die mir Tränen in die Augen gezaubert hat – sowohl aus Freude als auch Traurigkeit.

Besucht mich doch wieder. Weiterlesen

Fehlende Worte

keyboardDas Schreiben an sich ist wunderschön, aber manchmal  auch recht sonderbar. Mal überkommt es einen und man tippt los wie besessen und ein anderes Mal sitzt man vor der Tastatur wie vergessen.

So geht es mir oft, allerdings auch stark beeinflusst durch meine „Krankheiten“. Meine Zwänge, depressiven Phasen, extrem starken Stimmungsschwankungen und der Kampf gegen die Selbstverletzungen nehmen sehr viel Zeit und Raum in Anspruch.

Umso mehr freue ich mich, wenn dann doch wieder jemand auf meinen Blog stößt und ihn sogar abonniert oder „liked“. Allerdings kommt dann bei mir flugs das schlechte Gewissen zum Vorschein und ich schäme mich dafür, dass manches nicht mehr ganz so aktuell ist. Abhilfe würde natürlich ein neuer Text schaffen, aber da liegt gerade im Moment das Problem. Ich befinde mich zurzeit nicht in der komfortablen Ausgangsposition, um mich dauerhaft zu konzentrieren, um kontinuierlich zu recherchieren oder um einfach nur einfühlsam zu schreiben.

Ich bin aber sehr zuversichtlich, dass auch wieder andere Zeiten kommen werden und ich Euch mit neuem „Stoff“ versorgen kann. Vielleicht sogar wieder mit „leichter“ Lektüre, in denen ich die Unsitten bzw. Unarten des wahren Lebens mal mit anderen (meinen) Augen betrachten werde. Schwerer Stoff – wie aus der letzten Zeit gewohnt – wird natürlich auch nicht zu kurz kommen.

Habt also bitte ein wenig Geduld mit meiner Person und bleibt mir gewogen. Ich freue mich nämlich über jede einzelne Leserin und jeden einzelnen Leser. Denn für Euch schreibe ich.

Liebe Grüße

Euer Detlef

Und wie war Dein Tag so

black roseMüdigkeit überrennt den Verstand, verschleiert den Blick

Unzählige Tränen löschen das Feuer

Glut leuchtet beharrlich, wartet – auf den EINEN Windhauch

Fenster bleiben geschlossen

Tränen röten die Augen

Telefon klingelt

Taub stellen

Salzwasser rinnt die Wangen hinab – löscht

Eis klirrt im Glas, kühlt die %e

Musik wird lauter, fast unerträglich

Schreien bis der Hals schmerzt

%e, Tränen, Lauter, Schreien, Taub, Leer

Kopf und Körper gefühlslos

Zwei Schnitte

Kurzer Schmerz – Fühlen

Hellrotes Blut schmecken

Leben spüren

Fenster öffnen

Warten – auf den EINEN Luftzug

Weinen, Schreien, Totale Erschöpfung

Nacht mit ihrem Alb

 

Morgen – der gleiche Tag?